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Feldrandgespräch

Feldrandgespräch

Wo liegen die Sorgen und Nöte? Welche Probleme gibt es bei den Bauern? „Wir wollen aber auch ihre Zukunftsideen hören“, sagt Ministerin Susanna Karawanskij. Ein offenes Gespräch auf Augenhöhe soll es sein, von dem alle profitieren können. „Stellen Sie gern auch ihre Ideen zur Bewältigung von Problemlagen dar“, fordert die Ministerin die Anwesenden ihres neuen Begegnungsformats in Veilsdorf auf. Ganz konkrete Lösungen werden an diesem Abend in der etwa zwei Stunden währenden Veranstaltung freilich nicht auf dem Tisch liegen. Aber Anregungen wird es reichlich geben und die Themen, die den Landwirten wirklich auf den Nägeln brennen, kommen zur Sprache.


Und die sind nicht ohne. Susanna Karawanskij durfte das schon beim Jahresabschluss des Thüringer Bauernverbands spüren. Sehr emotionale Statements habe es da gegeben. Sie könne die Sorgen verstehen. „Sie haben sich virulent aufgestapelt“, schätzt die Ministerin ein. Hauptgrund aus ihrer Sicht, das „aktuell sehr dynamische Geschehen im Bund und der EU“. Insbesondere was die Förderrichtlinien in verschiedenen landwirtschaftlichen Bereichen betrifft.


Schon zu Beginn der Veranstaltung war zu hören, wie tief die Sorgen derzeit sitzen. „Ich mache den Job seit 23 Jahren und habe dabei extreme Höhen und Tiefen erlebt. Die gegenwärtige Lage ist so schlimm, wie noch nie“, sagt etwa Silvio Reimann, der Chef der Milchland GmbH Veilsdorf.


„Ich bin 19 Jahre Geschäftsführer. 19 Jahre ist nix besser geworden“, schätzt Ralf Röder von der Bäuerlichen Produktion & Absatz AG aus Hellingen ein. Es sei schon schwierig, dass man die Förderung überhaupt brauche, um zu überleben, meint er. „Es muss sich grundsätzlich etwas ändern in der Landwirtschaft“, ist er überzeugt. Er wolle wieder Lebensmittel produzieren und davon leben können, statt immer der Bittsteller zu sein.


Ganz besonders wichtig ist den Landwirten, da scheint in der Runde Konsens zu herrschen, dass die Förderung als verlässlicher Faktor erhalten bleibt. Ganz besonders steht derzeit die Grünlandförderung in Rede. In Südthüringen ein sehr wichtiges Thema. Hier hat es in der neuen Förderperiode des großen Europäischen Strukturfonds ELER, der seit Beginn des Jahres aufgesetzt ist, große Veränderungen gegeben. Auch Harald Bräutigam, der einen Betrieb in Kaltensundheim in der Rhön leitet, der ähnlich aufgestellt ist, wie die Veilsdorfer Milchland, rechnet vor, wie wichtig die Grünlandförderung ist. „Der Einschnitt, den wir da erlebt haben, ist extrem. 50 000 Euro fehlen allein aus der Kulap-Förderung im Vergleich zum Vorjahr“, so Bräutigam. Wie seine Kollegen befürchtet er auch, dass angesichts des 60-Milliarden-Euro-Lochs im Bundeshaushalt die Förderung beim Agrardiesel fallen könnte. Dann spreche man von einer weiteren Summe im fünfstelligen Bereich, die fehle. „Helfen Sie uns. Sorgen Sie dafür, dass die Förderungen bestehen bleiben und dass Grundprämie und Agrardiesel erhalten bleiben“, sind seine konkreten Forderungen an die Ministerin.


Ähnlich schwarz sehen auch Kollegen aus anderen Branchen. Jörg Seifert vom Landschaftspflegeverband etwa. Dem Verband unterstehen etwa 40 Hektar Grünlandflächen. Insbesondere solche, die kein Landwirt mehr anfassen möchte. Weil sie in Steillagen liegen, oder weil es sich um verstreute Flurstücke im Thüringer Wald handelt. „ Es wird immer schwieriger, Bewirtschafter für die Flächen zu finden“, sagt er. Und das liege vor allem an der überbordenden Bürokratie, die die Leute abschrecken. Gerlinde Feldmann von der Schäferei Gessner aus Bedheim sieht ebenfalls schwarz. „Wenn die Einkommenssituation bleibt, wie sie ist, werfen viele das Handtuch“, ist sie überzeugt. Abstriche mache man bei den Investitionen ohnehin schon.


Auch Katja Kieslich kennt dieses Problem, sie selbst ist Landwirtin, ihr Mann Schäfer. „Die Belastung ist extrem hoch. Wer will denn diese Arbeit noch machen?“, fragt sie. Gleichzeitig triebe sie auch die Sorge um, was dann aus den Grünlandflächen, die die Schafe lange Jahre freigehalten haben, werden solle. Wertvolle, artenreiche Bergwiesen könnten so verloren gehen.


Ministerin Karawanskij macht für einige der Probleme die EU-Politik und die Politik im Bund verantwortlich. Bisher habe es Direktzahlungen an Landwirte gegeben, um Flächen zu bewirtschaften und Lebensmittel herzustellen. Nun gebe es neue Zielstellungen durch die EU-Politik und die tue sich schwer mit so vielfältigen Flächen, wie sie in Thüringen vorherrschten. Auf Bundesebene gebe es das Problem, dass unterschiedliche Bundesländer, unterschiedliche Interessen haben. „Es muss aber auch da Verlässlichkeit geben“, sagt sie und verweist darauf, dass nicht mitten im Jahr die Förderrichtlinien verändert werden könnten.


Auch die gegenüberstehenden Interessenlagen zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz – oder zwischen Nutzung und Ursprünglichkeit – machten allen Seiten zu schaffen. „Wir können Umwelt und Natur nicht in solche starren Kontrollregeln pressen. Wir prüfen uns zu Tode“, spitzt sie zu. Auch sie fordert, dass die Bürokratie „entrümpelt“ werden müsse.


Thüringen hat im kommenden Jahr selbst die Chance, seinen Fokus auf solche Themen zu lenken. 2024 übernimmt der Freistaat den Vorsitz in der Landwirtschaftsministerkonferenz. Die Frühjahrskonferenz dreht sich ganz besonders um die Landwirtschaft. Welche Themen dort aus Sicht der Praktiker eine Rolle spielen sollten, das hat Susanna Karawanskij nicht zuletzt in Veilsdorf erfahren.

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Text: Cornell Hoppe, Foto: Bastian Frank / inSüdthüringen.de